Teuerster Kuss im Barocken Ambiente
Die Burghauptmannschaft Österreich lässt die historische Fassade des Oberen Belvedere seit 2024 umfassend restaurieren. Alle Maßnahmen erfolgen in enger Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt. Begonnen wurde an der Nordseite des Schlosses, anschließend folgte die südliche Fassade zum Teichhof. Der letzte Sanierungsabschnitt läuft 2026. Burghauptmann Reinhold Sahl bezeichnet das Vorhaben als eines der größten und bedeutendsten Sanierungsprojekte am österreichischen baukulturellen Erbe. Ziel ist es, möglichst viel Originalsubstanz zu bewahren und zugleich die Fassade dauerhaft zu sichern. Pressesprecher Christian Gepp bezeichnet das Belvedere als einen „Ort des kulturellen Gedächtnisses“.
An der Kalkputzfassade des Schlosses kommen unterschiedliche Restaurierungstechniken zum Einsatz. Schadhafter Überrieb wurde entfernt, Natursteinelemente an der Dachbalustrade und historische Figuren werden restauriert. Statt klassischer Kalkfarbe entschieden sich die Fachleute in Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt für Solsilikatfarbe, die ein einheitliches Erscheinungsbild mit hoher Beständigkeit verbinden soll. Parallel wurde auch der Kustodentrakt energetisch verbessert. Dort lebte Anton Bruckner ab 1895 bis zu seinem Tod 1896. Anlässlich seines 200. Geburtstags stellte die Burghauptmannschaft am 6. September 2024 eine neue Informationstafel auf. Die Arbeiten am Oberen Belvedere zeigen damit, wie historische Bausubstanz erhalten und zugleich an heutige technische Anforderungen angepasst werden kann. Dabei bleibt das Schloss während der mehrjährigen Sanierung weiterhin als Museum zugänglich.
Prinz Eugen von Savoyen ließ das Belvedere nach Plänen des Barockarchitekten Johann Lucas von Hildebrandt als Sommerresidenz errichten. 1712 begannen die Arbeiten am Unteren Belvedere, 1717 am Oberen, das 1723 fertiggestellt wurde. Beide Schlösser verbindet ein weitläufiger Barockgarten. Nach Prinz Eugens Tod erwarb Maria Theresia 1752 die Anlage und machte das Obere Belvedere später zum Ausstellungsort der kaiserlichen Sammlungen. Im Zweiten Weltkrieg trafen Bomben beide Schlösser schwer, unter anderem wurde ein Teil des Marmorsaals zerstört. Ab 1945 begann der Wiederaufbau, 1953 nahm das Museum im Oberen Belvedere wieder seinen Betrieb auf. Heute gehört das Ensemble gemeinsam mit der historischen Wiener Innenstadt zum UNESCO-Weltkulturerbe und zählt zu den bedeutendsten erhaltenen Barockanlagen Europas.
Kaum ein Ort in Wien ist so eng mit der jüngeren Geschichte Österreichs verbunden wie der Marmorsaal des Oberen Belvedere. Dort unterzeichneten die Außenminister der vier Besatzungsmächte und Österreichs Außenminister Leopold Figl am 15. Mai 1955 den Österreichischen Staatsvertrag. Unmittelbar danach sprach Figl im Marmorsaal die berühmt gewordenen Worte: „Österreich ist frei!“ Erst anschließend traten die Außenminister auf den Balkon und präsentierten das unterzeichnete Dokument der wartenden Menschenmenge. Der Staatsvertrag trat am 27. Juli 1955 in Kraft und stellte die volle staatliche Souveränität Österreichs wieder her. Damit wurde der barocke Sommersitz Prinz Eugens zugleich zu einem zentralen Schauplatz österreichischer Zeitgeschichte. Heute können Besucher den Marmorsaal im Rahmen ihres Museumsbesuchs betreten und damit jenen Raum erleben, dessen Bilder 1955 um die Welt gingen.
Das Obere Belvedere ist täglich von 9 bis 19 Uhr geöffnet, letzter Einlass ist 30 Minuten vor Schließung. Erwachsene zahlen derzeit 23 Euro, Kinder und Jugendliche unter 19 Jahren haben freien Eintritt. Für den Besuch ist grundsätzlich ein Ticket mit festem Time-Slot erforderlich. Das gebuchte Zeitfenster bestimmt allerdings nur den Zeitpunkt des Eintritts, die Aufenthaltsdauer im Museum ist anschließend nicht begrenzt. Online-Tickets ermöglichen den direkten Weg zum Museumseingang. Besonders zwischen 11 und 14 Uhr verzeichnet das Belvedere starken Besucherandrang und empfiehlt deshalb die Randzeiten. Das Obere Belvedere befindet sich in der Prinz-Eugen-Straße 27 im dritten Wiener Gemeindebezirk. Direkt vor dem Schloss hält die Straßenbahnlinie D an der Station „Schloss Belvedere“.